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Archiv, 11.02.2012, 13:17

Man lässt liften...

Prisma

Fünf Wochen nachdem das Treppenhaus von Paul Alois Bopp und seiner Lebensgefährtin Rena Willutzki in Meerbusch vermessen wurde, ist es endlich soweit. An einem klaren Januarmorgen klingeln um acht die Treppenliftmonteure von ThyssenKrupp Encasa. „Pünktlich wie die Maurer,“ kommentiert Bopp.

Fünf Wochen nachdem das Treppenhaus von Paul Alois Bopp und seiner Lebensgefährtin Rena Willutzki in Meerbusch vermessen wurde, ist es endlich soweit. An einem klaren Januarmorgen klingeln um acht die Treppenliftmonteure von ThyssenKrupp Encasa. „Pünktlich wie die Maurer,“ kommentiert Bopp. Die Stahlrohr-Konstruktion muss vom Keller bis unters Dach auf der Treppe befestigt werden. Danach werden Antriebseinheit und Sitz montiert. Und was der Bauherr und seine Freundin nicht für möglich gehalten hatten, nach vier Stunden starten sie zur Jungfernfahrt.

Ohne Sekt, dafür mit einem beherzten „Auf geht ́s!“ nimmt Bopp Platz auf seinem nagelneuen Flow II mit rotweißem Ledersitz, klappt die Fußstütze raus, schnallt sich an, beweget den Joystick auf der Armlehne in Fahrtrichtung und das Gefährt setzt sich in Bewegung. Man lässt sich liften.

Langsam zieht der Elektromotor den Lift ruckfrei wie eine Zahnradbahn am Stahlrohr nach oben. „Meine Nachbarn haben schon angefragt, ob sie auch mal fahren dürfen. Ich verkaufe jetzt 10er- Karten“, lacht Bopp und parkt seinen Lift im Dachgeschoss. Dann verschwindet er in seinem geliebten Hobbyzimmer, das für ihn endlich wieder erreichbar ist.

Ein Monteur erklärt Freundin Rena gleichzeitig im Wohnzimmer die Funktion der Fernbedienung. Per Knopfdruck ruft sie den Lift vom Dach- ins Erdgeschoss zurück, um mit der Neuerwerbung ihre erste Fahrt anzutreten.

Denis Stankovic montiert seit Jahren Treppenlifte und weiß, „wir haben Kunden, die sitzen täglich fast eine Stunde auf dem Lift. Wir nennen sie Vielfahrer.“

Ganz gleich wie oft der Lift zum Einsatz kommt, Sicherheit ist oberstes Gebot. Die Geschwindigkeiten sind programmierbar. Für eine Etage braucht der Treppenlift rund 90 Sekunden. Fährt der Lift gegen ein Hindernis – beispielsweise gegen den Staubsauger, den jemand auf der Treppe vergessen hat – stoppt er automatisch. Das gilt auch für den Fall, dass sich Gehhilfe oder Bademantel im Treppengeländer verfangen hat. Für den Fall, dass ein Stromausfall den Lift lahmlegt, „schaffen die Akkus es immer zum nächsten Haltepunkt“, wie Stankovic versichert.

An diesen Haltestellen, in der Regel eine pro Etage, lädt der Lift bei Stillstand automatisch seine Akkus auf. Einmal im Jahr muss die Anlage gewartet werden.

Herr Bopp freut sich über seine neue Mobilität und auch Frau Willutzki ist ganz angetan. „Aber ehrlich gesagt, als der Messtechniker mit seinen ganzen Zettelchen bei uns war, habe ich nur gedacht, wenn das mal nicht in die Hose geht. Aber jetzt muss ich sagen, der Lift sieht ja richtig gut aus.“

Übrigens, der für seinen Frauenverschleiß berüchtigte Heinrich VIII. gilt als erster Treppenliftnutzer. Nach einem Turnierunfall ließ sich der König von Dienern auf einem Klotz sitzend über ein Holzgestell die Treppe hinaufschieben.

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