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Archiv, 04.02.2012, 13:19

In einem Rutsch bis unters Dach

Prisma Für viele Menschen ist er die Antwort auf einen misslichen Zustand: der Treppenlift im eigenen Haus

„Vor sechs Monaten war ich noch flink wie ein Wiesel“, erzählt Paul-Alois Bopp. Doch dann machte das Knie unverhofft schwere Probleme. „Der Arzt hatte mir gesagt, dass ich nach wenigen Tagen wieder laufen könne. Von wegen!“ Die Operation brachte nicht den Erfolg und der Reedereiagent im Ruhestand konnte nur noch an Krücken gehen. Die Treppen in seinem Reihenhaus wurden zum Hindernis, das auch mit Hilfe seiner Lebensgefährtin Rena Willutzki kaum zu schaffen war. Vor allem, dass er nicht mehr in sein Hobbyzimmer unterm Dach kam, ärgerte den 82-Jährigen. „Ich wohne hier in Meerbusch seit den 70er-Jahren. Da zieht man nicht weg“, erklärte Bopp. Und da der Grundriss des Hauses keine Umlegung der Lebensbereiche zuließ, war der Treppenlift die beste Lösung. „Wir nutzen vier Etagen, sonst haben wir nicht genug Platz“, beteuert Frau Willutzki.

Woran erkennt man den seriösen Treppenlift-Anbieter?

„In den Zeitungen findet sich Angebote in Hülle und Fülle. Lifta, ThyssenKrupp, Hiro und viele mehr. Doch den richtigen Anbieter zu finden, ist nicht leicht. Wer hat schon Erfahrungen mit dem Bau eines Treppenliftes?“ fragt sich Paul Bopp, der im Bekanntenkreis erste Informationen einholte. Dazu Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale NRW: „ Im Idealfall wurde in der Nachbarschaft ein Lift installiert. Über einen solchen Kontakt gibt ́s Infos aus erster Hand. Holen Sie unterschiedliche Angebote ein. Einen seriösen Anbieter erkennt man daran, dass der den Kunden nicht zum Vertragsabschluss drängt und auch über Folgekosten wie die Wartung ausführlich informiert und diese auch anbietet.“ Herr Bopp und seine Lebensgefährtin entschieden sich für einen besonders platzsparenden Innenläufer. Das heißt, der Lift wird nicht an der Wand montiert, sondern die Führungsschiene auf Stahlfüßen auf den Treppenstufen sehr dicht am Geländer. Das hat den Vorteil, dass mehrere Etagen lückenlos verbunden werden. Denn oft ist es unmöglich, den Lift an der Außenseite einer Treppe zu führen, weil Türen oder Schränke den Weg unterbrechen. Mit dem Innenläufer geht ́s bei Paul Bopp in einem Rutsch vom Keller bis unters Dach. Und Frau Willutzki nutzt den Lift zum Wäsche-Transport. „Jede Treppe hat ihren eigenen Fingerabdruck“, behauptet Bauaufmaßtechniker Mark Reuter, der das Treppenhaus des Rentnerpaars auf den Millimeter genau ausmisst. Dazu hat Reuter 210 Markierpunkte verteilt, die fotografisch erfasst und in eine 3-D- Simulation übertragen werden. „Pro Etage brauche ich eine Stunde“, sagt Reuter. Er leitet die Daten noch am Tag an die Produktion weiter. Einen Monat später soll der maßgeschneiderte Lift montiert werden.

Altersgerechter Umbau wird durch die KfW günstig finanziert

Ein Treppenlift ist keine preiswerte Anschaffung. Je nach Verlauf und Länge können 3500 bis 16000 Euro für den Lift in einem Reihenhäuschen anfallen, wie die Verbraucherzentrale NRW errechnet hat. Hinzu kommen die Unterhaltskosten. Diese Aufwendungen müssen selbst getragen werden. Doch es gibt Ausnahmen. Bei anerkannter Pflegebedürftigkeit zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss bis zu 2557 Euro. Nach einem Berufs- oder Verkehrsunfall können auch Berufsgenossenschaft oder Haftpflichtversicherung zur Leistung verpflichtet sein. Dies ist im Einzelfall zu klären. Einige Länder und Kommunen bieten Förderprogramme an. Das Sozialamt springt ein, wenn kein anderer Kostenträger zuständig ist und Eigenmittel fehlen. Übrigens, nachdem zum Jahreswechsel die Mittel für den altersgerechten Umbau gestoppt wurden, stellt die staatliche Förderbank KfW jetzt zinsgünstige Darlehen bereit. Beispiel: zehn Jahre Laufzeit, zwei tilgungsfreie Jahre, zu 1,92 Prozent. Oder: acht Jahre Laufzeit, tilgungsfrei. Nach Ablauf muss die Darlehenssumme auf einen Schlag abgelöst werden. Zinssatz: 2,22 Prozent.

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