Wenn Eltern alt werden – Eine Herausforderung für alle

„Meine Eltern werden alt!“ Manchmal ist das eine Erkenntnis, die allen Beteiligten nur schleichend bewusst wird. Manchmal wird es uns auch schlagartig klar. Wie verarbeiten wir diese Erkenntnis und wie können beide Seiten konstruktiv mit einer geänderten Rollenverteilung umgehen?

Was passiert, wenn Eltern alt werden?

Älterwerden und das Nachlassen der Kräfte passieren selten über Nacht. Vielleicht hören Sie von Mutter und Vater Klagen wie: „Ich kann nicht mehr so, wie ich will.“ Möglicherweise bemerken Sie Vergesslichkeit oder unsicheres Verhalten im Alltag. Vielleicht klagen Eltern stärker über körperliche Beschwerden oder sie wirken bedrückt, wenn sie vom Schicksal Gleichaltriger berichten. Manchmal trifft uns die Erkenntnis aber auch wie ein Schlag: Durch einen Sturz, eine plötzliche Erkrankung oder wenn wir feststellen müssen, dass die Eltern mit dem Führen eines Fahrzeuges überfordert sind. Auch wenn es zunächst bequemer scheint, sollten Sie das Thema Altern nicht verdrängen. Gehen Sie in behutsamen Gesprächen auf die veränderte Lebenssituation ein.

Eltern werden alt

Wenn Eltern spüren, dass Kräfte, Konzentration und Belastbarkeit nachlassen, fällt es häufig sehr schwer, das zu akzeptieren und das Leben entsprechend umzustellen. Viele Eltern können sich zunächst nicht darauf einlassen Hilfsangebote anzunehmen. Sie können beispielsweise ein Hörgerät oder notwendige Umbauten zur Barrierefreiheit wie einen Treppenlift oder ein seniorengerecht gestaltetes Badezimmer rigoros ablehnen. Selbst wenn das zur deutlichen Steigerung der Lebensqualität führen würde. Hier braucht es viel Fingerspitzengefühl und Geduld, um mit den Eltern ins Gespräch zu kommen.

Die Generation der Kinder empfindet diese Phase häufig als radikale Umkehrung der bestehenden Rollenverteilung. Sie empfinden das Verhalten der Eltern als Trotz oder Sturheit. Behandeln Sie Ihre Eltern jedoch nicht wie verstockte Kinder. Die Eltern brauchen Raum und Zeit, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit der neuen Situation zurechtzufinden und sie zu akzeptieren. Sinnvoll ist es, so früh wie möglich mit den Eltern ins Gespräch zu kommen. Am besten schon lange bevor konkreter Handlungsbedarf besteht.

Patentlösungen gibt es nicht

„Wer kümmert sich um meine Eltern, wenn sie nicht mehr für sich selbst sorgen können? Wie spreche ich Themen wie eine Patientenverfügung und das Testament an? Bin ich moralisch verpflichtet, für die Pflege meiner Eltern die Karriere aufzugeben? Sollen meine Eltern bei uns leben? Sind meine Eltern in einem Pflegeheim besser aufgehoben? Wenn ja in welchem?“ Das sind schwerwiegende und komplexe Fragen, für die jeder maßgeschneiderte Antworten finden muss.

In diesem Prozess gilt es, die eigenen Grenzen der Belastbarkeit zu erkennen und gemeinsam mit den Eltern Lösungen zu finden, die für alle praktikabel sind. Einschränkungen müssen meist alle Beteiligten in Kauf nehmen. Hier gilt es abzuwägen, was jedem einzelnen zumutbar ist. Egal ob es um pflegerische Unterstützung im Alltag oder um kompetente Beratung geht: In keiner Phase dieses Prozesses sollten Sie zögern, sich Rat und Hilfe von außen zu holen.

Auf Krisen gefasst sein

Die Eltern werden alt. Das kann Konflikte zwischen Eltern und Kindern aufflammen lassen, die man für gelöst hielt. Aber auch Streitigkeiten zwischen Geschwistern können aufbrechen. Wer soll die Verantwortung für die Eltern übernehmen? Schuldet man den Eltern, sie zu pflegen, auch wenn das Verhältnis schwierig war? Solche Konflikte belasten das Miteinander. Auch hier sollte man sich nicht scheuen, Hilfe bei einer Beratungsstelle oder einem Psychotherapeuten zu suchen.

Wenn Sie sich um Ihre Eltern kümmern wollen, ist es wichtig, mit vergangenen Problemen abgeschlossen zu haben, und sich als Erwachsene auf Augenhöhe zu begegnen. Eine positive Einstellung und ein partnerschaftlicher Umgang helfen Ihren Eltern, sich nicht als bloße Last für ihr Umfeld zu empfinden.

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